Wappen

Kreisverband München für
Gartenbau & Landespflege e.V.

Die Gartenpfleger, einst und heute

vom Baumpelzer (Baumveredler) zum Gartenpfleger

Nachforschungen in Augsburg, durch den dortigen Kreisvorsitzenden Wilhelm GRÜN, brachten Erstaunliches zu Tage.

1368: „Einer von 17 politischen Zunftverbänden, in welche 1368 die ganze Bürgerschaft eingeteilt wurde, war die Huckerzunft . Wie schon im Stadtbuch von 1276 die „Obstler“ rechtlich zu dieser Gewerbsgruppe gezählt wurden, so gliederte man in der Zunftzeit den Obst- und Kräuterhandel und die Gartenbauleute, außerdem die Seiler, denen der Kleinverkauf gewisser landwirtschaftlicher Artikel zustand, in die Huckerzunft ein.

1415: Interessant ist hier, dass es schon um diese Zeit eine Baumwartausbildung gegeben hat, also ein Baumpflegeberuf, wie man heute sagen würde. Damals ging es jedoch noch nicht um die Pflege von Alleen, sondern in erster Linie um die fachgerechte Behandlung von Obstbäumen. So werden bei HEERWAGEN (1915) „die Baumkünste der Alt-Augsburger Gärtner“ hervorgehoben. Bereits 1415 wurden hier die „Baumpelzer“ (Baumveredler) erwähnt. Diese gärtnerische Berufsgruppe wurde zu den freien Künsten gezählt.

Am 5. November 1530 erschien bei dem Drucker Heinrich STAYNER in Augsburg das erste in deutscher Sprache gedruckte Gartenbuch mit dem Titel „Lustgärten und Pflanzungen mit wunnsamer Zyerd“. Der Inhalt bezog sich auf die Anlage und Pflege kleinerer Kräutergärtchen, größerer Ziergärten und auch fürstlicher Gärten; dies berichtet hat Georg SCHMIDT in seiner viel beachteten Veröffentlichung „Der Gartenbau in Bayern“ (1974).

Der Patrizier Johann Heinrich HERWARTH durfte sich 1559 rühmen, die erste in Augsburg zum Blühen gebrachte Tulpe zu haben. Einer der berühmtesten Naturforscher und Botaniker, Conrad GESNER, war bei einem Besuch in Herwarths Garten so beeindruckt, dass er sie unter dem Namen „Tulipa turcarum“ in einem Holzschnitt darstellen ließ. Danach begann ihr Siegeszug in Europa, speziell in Holland.

Das gärtnerische Wissen wurde in den folgenden Jahrhunderten durch Wanderprediger, durch Klöster und Pfarreien gepflegt und weitergegeben. Inwieweit an den verschiedenen Orten in Bayern schriftliche Unterlagen existieren, lässt sich nur mit großem Aufwand nachvollziehen.

Am 8. Mai 1973 gab es eine Verordnung des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dass die Richtlinien vom 21. Mai 1953, für die Berufsausbildung von Baumwarten aufgehoben wird, d.h. ab diesem Zeitpunkt war es ein reines Ehrenamt.

In diesem Zusammenhang wurde gelegentlich einer Tagung des Bayer. Landesverbandes für Obst- und Gartenbau in Landshut, wo zum gleichen Zeitpunkt auch eine Tagung der Baumwarte stattfand, beschlossen, die vorhandenen Baumwart-, Kreis- und Bezirksverbände in Bayern zu einem Landesverband zusammen zu schließen. Vorausgegangen waren Referate welche die „Ausbildung, Prüfung und Vollbeschäftigung“ der Baumwarte behandelten. Erwähnt wurde dies im „Der Praktische Gartenratgeber“ von Oktober 1973.

Im Jahre 1970 schrieb der damalige Präsident des Bayer. Landesverbandes für Obst- und Gartenbau e.V. (heute: Bayerischer Landesverband für Gartenbau und Landespflege e.V.), Dr. Karl Tschurtschenthaler, dass die steigende Zahl der Hausgärten und das Interesse ihrer Besitzer an arbeitssparender Anlage und guter Pflege dieser Gärten einerseits und der Aufgabenzuwachs der amtlichen Fachberatung bei den Landratsämtern andererseits, den Landesverband, die Kreisverbände und Vereine zwingt, die entstandene Bedarfslücke bei der Betreuung seiner Mitglieder bald auszufüllen durch eine Neueinführung der Gartenpfleger als Mittelsmann zwischen den Fachberatern für Gartenbau und Landespflege, dem einzelnen Mitglied und seinem Gartenbauverein.

Dies ist die eigentliche Geburtsstunde des Gartenpflegers so wie wir ihn heute kennen.

Wie erfolgreich diese Idee war zeigt sich daran, dass bis zum heutigen Zeitpunkt allein im Kreisverband München, weit über hundert Gartenpfleger ausgebildet worden sind. Um dies ebenso erfolgreich weiterzuführen läuft, nach Beschluss des Kreisverbandes München für Gartenbau und Landespflege e.V., seit dem Jahre 2004 eine über etliche Jahre dauernde Ausbildung für neue Gartenpfleger.

Warum sind die Gartenpfleger gerade in der heutigen Zeit so wichtig?

Es sind wohl die veränderten Ansprüche der Vereinsmitglieder, denen er gerecht zu werden hat. Durch seine Ausbildung, wobei seine Arbeit von großer Freude und nicht wenig Idealismus begleitet sein muss, könnte er die uns allen am Herzen liegende Aktivierung der Obst- und Gartenbauvereine und damit auch, gerade im Stadt- und Landkreis München, die für so viele Menschen wichtige Förderung der Gartenkultur voranzutreiben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass durch die engagierte und fachgerechte Arbeit eines jeden Einzelnen, die Öffentlichkeit dem Gartenpfleger die Wertschätzung entgegenbringt, die er gerade in der heutigen Zeit verdient.

Die Ausbildung, die Informationen, das Engagement Vieler und dem Willen auch weiterhin die Idee der Gartenkultur bei uns in Bayern weiter zu entwickeln, wird ihr Wirken auch künftig zu einer Erfolgsgeschichte werden lassen.

Unsere Gärten sollen, gerade in einer Großstadt wie München und seinem Landkreis, Oasen der Ruhe und der Besinnung sein und bleiben. Die Gartenpfleger tragen mit ihrem Beitrag nicht unerheblich dazu bei.

Heinz Richarz, Sprecher der Gartenpfleger im Kreisverband München